Angebote in Excel nachverfolgen: Wann es reicht und wann nicht
In vielen Vertriebsteams ist die Liste der offenen Angebote eine Excel-Datei. Das ist kein Armutszeugnis, sondern meist der schnellste Weg, überhaupt einen Überblick zu bekommen. Die interessante Frage ist nicht, ob Excel dafür taugt, sondern bis wann. Diese Grenze lässt sich recht genau beschreiben, und sie hat weniger mit der Zahl der Angebote zu tun als mit der Zahl der Leute, die mit der Liste arbeiten sollen.
Was die Liste leisten muss
Bevor du über das Werkzeug nachdenkst, leg fest, welche Fragen die Liste beantworten soll. In den meisten Betrieben sind es drei: Welche Angebote sind offen? Bei welchen ist der nächste Schritt überfällig? Und wer ist dafür zuständig?
Das klingt banal, ist aber der Punkt, an dem die meisten Tabellen scheitern. Eine Liste, die festhält, welche Angebote rausgegangen sind, ist ein Archiv. Sie zeigt dir nicht, wo etwas liegt. Der Unterschied steckt in einer einzigen Spalte: dem nächsten Schritt mit Datum. Ohne die ist eine Angebotsliste eine Sammlung von Vergangenheit. Welche Felder darüber hinaus sinnvoll sind und wie du bei größeren Mengen sortierst, steht in Überblick über offene Angebote.
Die Spalten, mit denen du anfängst
Acht Spalten reichen, um die drei Fragen zu beantworten:
- Kunde und Ansprechpartner
- Angebotsnummer und Versanddatum
- Auftragswert
- zuständige Person, namentlich
- Status: versendet, in Prüfung, in Verhandlung, Auftrag, verloren
- Datum des letzten Kontakts
- nächster Schritt
- Datum für diesen nächsten Schritt
Alles andere kommt später. Jedes zusätzliche Pflichtfeld senkt die Wahrscheinlichkeit, dass die Datei aktuell bleibt. Eine Ausnahme lohnt sich trotzdem früh: ein Feld für den Verlustgrund. Nach einem halben Jahr zeigt es dir erstmals ein Muster, und nach einem Jahr ist es die Grundlage dafür, den Angebotsprozess überhaupt zu verändern. Wie du das sauber erfasst, ohne dass alle einfach „zu teuer“ eintragen, behandelt Verlustgründe im Vertrieb sauber erfassen.
Zwei Handgriffe machen aus der Tabelle ein Arbeitsmittel. Der erste ist eine bedingte Formatierung, die jede Zeile färbt, deren Datum für den nächsten Schritt vor heute liegt. Der zweite ist ein Filter, der genau diese Zeilen zeigt. Damit hast du eine Überfälligkeitsliste, und die ist der eigentliche Zweck der ganzen Datei.
Wie die Datei im Alltag aktuell bleibt
Eine Angebotsliste verfällt nicht langsam, sie verfällt an einem bestimmten Tag. Meistens ist es der Tag, an dem zum ersten Mal ein Angebot rausgeht, ohne dass eine Zeile dafür entsteht. Ab dann weiß niemand mehr, ob die Liste vollständig ist, und eine unvollständige Liste wird nach zwei Wochen nicht mehr benutzt.
Deshalb ist die einzige Regel, die wirklich zählt: Kein Angebot verlässt das Haus, ohne in der Liste zu stehen. Am einfachsten koppelst du das an einen Schritt, der ohnehin stattfindet. Wer die Angebotsnummer zieht, trägt die Zeile ein, oder der Innendienst macht es beim Versand. Entscheidend ist, dass es ein Handgriff im Ablauf ist und keine Aufgabe, an die man sich erinnern muss.
Zweitens braucht die Datei einen Besitzer. Nicht eine Abteilung, eine Person. Sie ist nicht dafür verantwortlich, dass nachgefasst wird, sondern dafür, dass die Liste stimmt. Diese Trennung ist wichtig, sonst wird aus der Pflege eine Kontrollaufgabe, und das Team fängt an, Felder zu füllen statt Informationen zu teilen.
Drittens braucht sie einen festen Zeitpunkt. Zehn Minuten am Montagmorgen, in denen jeder Verkäufer seine eigenen Zeilen durchgeht und zwei Dinge aktualisiert: das Datum des letzten Kontakts und den nächsten Schritt. Mehr nicht. Alles, was darüber hinausgeht, machst du im Meeting, und zwar nur bei den überfälligen Vorgängen.
Was in dieser Runde regelmäßig auffällt: Zeilen ohne nächsten Schritt. Die sind kein Pflegeproblem, sondern eine offene Entscheidung. Entweder der Verkäufer weiß nicht, was er als Nächstes tun soll, oder er hält das Angebot für verloren und hat es nur nicht eingetragen. Beides gehört geklärt, und beides klärt sich in zwei Minuten.
Was Excel gut kann
Die Tabelle hat echte Vorteile, und es lohnt sich, sie zu benennen, statt gleich über Software zu reden.
Sie ist da. Es gibt kein Einführungsprojekt, keine Lizenzdiskussion und niemanden, der sie administrieren muss. Jeder im Team kann sie bedienen, und der Aufbau ist in einer Stunde geändert, wenn sich der Prozess ändert.
Sie rechnet. Die Summe aller offenen Angebote, der Durchschnitt der Tage seit Versand, die Verteilung nach Auftragswert: all das sind einzelne Formeln. Damit hast du Zahlen, die vielen Betrieben vorher komplett gefehlt haben, etwa die durchschnittliche Dauer bis zur Entscheidung. Was diese Kennzahl aussagt und wie du sie senkst, steht in Time-to-Decision: Wie lange deine Angebote wirklich liegen.
Und sie zwingt zu nichts. Gerade am Anfang ist das wichtig. Ein Team, das noch gar keinen gemeinsamen Ablauf hat, sollte erst den Ablauf finden und dann ein System dafür suchen. Die Tabelle ist dafür das bessere Werkzeug als eine Software, die einen Prozess vorgibt, den noch niemand gelebt hat.
Wo es im Team kippt
Die Grenze liegt nicht bei einer bestimmten Zahl von Angeboten. Ein einzelner Verkäufer verwaltet achtzig Angebote in Excel ohne Probleme. Vier Verkäufer scheitern an dreißig. Dafür gibt es sechs Gründe.
Der erste ist das gleichzeitige Arbeiten. Liegt die Datei auf einem Netzlaufwerk, hat sie derjenige gesperrt, der sie zuerst geöffnet hat. Die Cloud-Varianten lösen das besser, erzeugen aber Konflikte, sobald zwei Leute dieselbe Zeile anfassen. In der Praxis endet beides so, dass eine Person die Liste pflegt und die anderen ihr zurufen, was sich geändert hat.
Der zweite ist, dass niemand erinnert wird. Excel ruft nicht an. Die rot markierte Zeile sieht nur, wer die Datei öffnet, und das tut im Alltag nur der, der sie pflegt. Nachfassen findet also genau dann statt, wenn jemand bewusst nachsieht. Warum das selbst bei guten Vorsätzen untergeht, behandelt Follow-up-Disziplin im Team.
Der dritte ist die fehlende Historie. In der Tabelle steht der aktuelle Status, nicht, wer ihn wann gesetzt hat und warum. Wenn ein Angebot seit drei Wochen auf „in Verhandlung“ steht, lässt sich nicht nachvollziehen, ob da wirklich verhandelt wird oder ob jemand den Status vor einem Monat gesetzt und danach nie wieder angefasst hat.
Der vierte ist die doppelte Pflege. Das Angebot entsteht im ERP oder in der Warenwirtschaft, der Status wird in Excel geführt. Damit gibt es zwei Wahrheiten, und die Tabelle ist immer die ältere. Diese Lücke zwischen Erstellung und Verfolgung ist das Grundproblem, nicht das Werkzeug: Angebote aus dem ERP nachfassen geht darauf genauer ein.
Der fünfte ist das Vertrauen. Sobald das Team ahnt, dass die Liste zwei Wochen alt sein könnte, hört es auf, sie als Grundlage zu nehmen. Daran merkst du es im Meeting: Ihr diskutiert dann über den Datenstand, nicht über Angebote. Eine Liste, der niemand traut, ist schlechter als keine, weil sie Aufwand kostet und trotzdem keine Entscheidung trägt.
Der sechste betrifft die Daten selbst. Eine Tabelle mit Kundennamen, Ansprechpartnern und Auftragswerten liegt am Ende in mehreren Fassungen auf Desktops und in E-Mail-Anhängen. Für ein Dienstleistungsgeschäft mit sensiblen Kundendaten ist das ein Punkt, der irgendwann auf den Tisch kommt, spätestens wenn ein Mitarbeiter das Unternehmen verlässt.
Die Signale für den Wechsel
Anstelle einer allgemeinen Antwort auf die Frage, ab wann Excel nicht mehr reicht, lohnt es sich, auf konkrete Signale zu achten. Treffen zwei oder drei davon zu, ist der Punkt da.
- Mehr als drei Personen sollen dieselbe Liste pflegen.
- Jemand verbringt mehr als eine halbe Stunde pro Woche damit, die Datei aktuell zu halten.
- Im Vertriebsmeeting geht es regelmäßig um den Datenstand statt um die Angebote.
- Nachfassen passiert nur dann, wenn eine bestimmte Person dran denkt.
- Angebotsnummern und Status liegen in zwei Systemen gleichzeitig.
- Ein Angebot ist durchgefallen, obwohl es in der Liste stand.
Das letzte Signal ist das deutlichste. Wenn ein Vorgang verloren geht, der ordentlich erfasst war, dann war die Erfassung nie das Problem. Dann fehlt der Mechanismus, der aus einem Eintrag eine Handlung macht.
Der Übergang, ohne alles neu zu bauen
Die Excel-Datei ist beim Wechsel keine verlorene Arbeit, sondern die Vorarbeit. Deine Spalten sind die Anforderungsliste. Du weißt nach ein paar Monaten genau, welche Felder ihr wirklich benutzt und welche leer geblieben sind, und das ist mehr, als die meisten Betriebe vor einer Systemauswahl über sich wissen.
Nimm beim Umzug nur die offenen Vorgänge und die abgeschlossenen der letzten Monate mit. Fünf Jahre Historie zu migrieren klingt gründlich, kostet aber Tage und beantwortet keine Frage, die du heute hast.
Rechne beim Vergleich außerdem ehrlich, was die Tabelle heute kostet. Eine halbe Stunde Pflege pro Woche plus die Zeit, die im Meeting für Rückfragen zum Datenstand draufgeht, ist bei vier Angebotsverantwortlichen schnell ein halber Arbeitstag im Monat. Dazu kommt der Posten, den niemand bucht: die Angebote, die liegen geblieben sind. Wenn du von zwanzig Angeboten im Quartal zwei allein deshalb verlierst, weil niemand nachgefasst hat, ist das bei erklärungsbedürftigen Dienstleistungen in der Regel ein Mehrfaches dessen, was ein System im Jahr kostet.
Und klär die Regeln vor dem Werkzeug. Wer fasst nach, in welchem Takt, und was passiert bei welchem Auftragswert: das muss unabhängig vom System feststehen, sonst baust du nur die alte Unklarheit in neue Felder. Nachfass-Regeln fürs Vertriebsteam beschreibt, wie so eine Festlegung aussieht, und Angebotsverfolgung systematisch aufsetzen den Rahmen drumherum. Zu den Regeln gehört auch, wie lange eure Angebote überhaupt gelten sollen; dazu steht mehr in Angebotsfrist im B2B richtig setzen. Wenn du bei der Gelegenheit auch die Angebote selbst vereinheitlichen willst, hilft die Angebotsvorlage.